Artur Schütt in der WINKELDRUCKEREY © Foto Lenz

2024 verstarb Artur Schütt. Zu seinem Tod schieb Markus Clauer am 15. Februar in der RHEINPFALZ den folgenden Nachruf:

Artur Schütt ist tot, ein herzenswarmer, zugewandter literaturleidenschaftlicher Speyerer aus Oberschlesien, Schullehrer und -leiter, jahrzehntelang – und auch das mit Emphase. Sein zweites Leben gehörte ganz dem Schreiben, dem Geschriebenen und Gedruckten. Er ist 91 Jahre alt geworden.

Auf einsamen Spaziergängen ließ er sich bezaubern. Er kultivierte die Bedächtigkeit des Schauens. Ende der 50er Jahre kam er in die Pfalz, um zu bleiben. 2003 wurde Artur Schütt endlich mit dem Pfalzpreis für Literatur des Bezirksverbandes geehrt. In über 30 Jahren hat er eine Fülle an Veröffentlichungen vorgelegt, vor allem Lyrik und Kurzprosa, in die sich die Pfalz wie von selbst einschrieb, das Gefühl „in der Fremde zu Hause zu sein“.

Schütt dichtete subtil und witzig, nicht flach; tiefsinnig und ernst sind seine Sachen, nicht pathetisch. Seine Stimme hatte einen ganz eigenen Klang. „Die spiralförmigen Gedanken der Köchin beim Kartoffelschälen“ sind 1992 erschienen, „Die ozeanischen Gefühle der Köchin beim Ablegen der Stützstrümpfe am Abend“ fünf Jahre später, heitere Wortverwirbelungen. In „Flugwörter und Zeilenrisse“ von 1999 mischte er andere, melancholischere, stillere Töne. Sein am meisten beachtetes Buch indes ist 1980 herausgekommen.

Die Geschichten aus „Die Löcher im Stundenplan“ gehörten damals zum Curriculum des deutschsprachigen Literaturbetriebs, humorvoll, sprachspielerisch und pointiert erzählt er darin aus erster Hand aus dem Schulalltag. Er kannte ihn gut. Schütt war nach dem Staatsexamen und einer Zeit als Lektor für das Goethe-Institut in Schweden Referendar in Ludwigshafen und Speyer, danach Lehrer, von 1972 bis zu seiner Pensionierung 1987 Schulleiter des Gymnasiums am Kaiserdom. Seither hatte er sich dem Handpressedruck verschrieben. Sein Setzkasten war schlichtweg universell.

Die legendäre Druckwerkstatt der „edition bergelmühle“ im Künstlerhaus Edenkoben – sein Werk. Und die „Winkeldruckerey“ samt grafischem Kabinett im Speyerer Kulturhof Flachsgasse, die er bis 2018 geleitet hat – ohne ihn und seine Frau Jule nicht denkbar, beide ein unglaubliches Paar. Artur Schütt war ein sanfter Mann, der insistierte.

In Speyer kämpfte er so dafür, dass die ehemalige „Druckerei Lindacher“ zusammenblieb. Setzerei und Druckpresse wären ohne Schütt verstreut in alle Windrichtungen, aus denen sich der „engel der poesie“, wie er seine eigene Edition benannt hat, die Gleichgesinnten zusammen holte: um dafür zu sorgen, „dass Gedichte nicht in Büchern verschwinden“.

Viele Mappenwerke sind entstanden, unzählbare Einzelblätter, Hand- und Druckschriften aus ganz Europa. Schütt war als Drucker Autodidakt und bald selbst über die Grenzen hinaus geachteter Meister. Zu Hause kümmerte er sich.

1995 erfand Schütt die Speyerer „Nacht der Poesie“. 1996 hat er die Speyerer Literaturtage ins Leben gerufen und bis 2014 organisiert. Er gab einen Almanach zur Minimesse der Handpressendrucker heraus. Das Gedichte- und Bücherschreiben – der Stapel seiner selbstgeschriebenen Werke ist ziemlich dick! – hat er trotzdem nie aufgegeben. Wie traurig, dass der Wortakrobat jetzt von seinem Seil gestiegen ist, von dem aus er zeitlebens unverdrossen himmelwärts blickte.

WINKELDRUCKEREY
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