Julia wurde 2003 in Wiesbaden geboren und wuchs in Market Harborough auf. 2022 zog sie nach Norwich, wo sie an der Norwich University of the Arts „Design for Publishing“ studierte. Seit Sommer 2025 lebt sie in Berlin und absolviert ein Praktikum beim renommierten Drucker Erik Spiekermann* in der Galerie p98a.
*Erik Spiekermann (*1947) ist einer der weltweit renommiertesten deutschen Grafikdesigner, Typografen und Schriftgestalter, ansässig in Berlin. Er prägte das moderne Design durch die Gründung von MetaDesign, FontShop und Edenspiekermann, entwarf Schriften wie die FF Meta und gestaltete Orientierungssysteme für die BVG und den Flughafen Düsseldorf.
Bei Erik Spiekermann arbeitete ich an der Korrex-Kraftpresse und realisierte zwei neue Editionen des Posters „Alles ist fertig, es muss nur noch gemacht werden“. In weiteren Projekten vertiefte ich mein Wissen über mehrstufige und überlappende Druckdurchgänge sowie über gestalterische Effekte durch das Drehen des Rahmens im Druckprozess.
In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Druckkünstler Dafi Kühne vertiefte ich meine Expertise im präzisen Handsatz sowie in mehrstufigen, experimentellen Druckprozessen – insbesondere im Umgang mit Verläufen und Weißdruck auf farbigem Papier. Darüber hinaus konzipierte und produzierte ich eigene musikbezogene Poster auf der FAG Swiss Proofing Press.
Für die Freundeprogramm-Abonnierenden entwickelte und druckte ich Dankeschön-Postkarten in Gold auf Dunkelblau an der Boston Platen Press. Die Rückseite wurde mittels Magnesiumklischee in der Schrift Real gesetzt und gedruckt, anschließend mit Holzbuchstaben verpackt und als typografisches Objekt mitverschenkt. Unsere TOC Publishing Jahreskarte, gestaltet von der Grafikerin und Typografin Verena Gerlach, entstand aus modularen Futura-Schmuckelementen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf meinem konzeptionellen Poster- und Postkartenset, in dem ich unterschiedliche Druckformate gezielt aufeinander bezog und dabei den festlichen Kontext bewusst einbezog.









Für die Freundeprogramm-Abonnierenden entwickelte und druckte ich Dankeschön-Postkarten in Gold auf Dunkelblau an der Boston Platen Press. Die Rückseite wurde mittels Magnesiumklischee in der Schrift Real gesetzt und gedruckt, anschließend mit Holzbuchstaben verpackt und als typografisches Objekt mitverschenkt. Unsere TOC Publishing Jahreskarte, gestaltet von der Grafikerin und Typografin Verena Gerlach, entstand aus modularen Futura-Schmuckelementen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf meinem konzeptionellen Poster- und Postkartenset, in dem ich unterschiedliche Druckformate gezielt aufeinander bezog und dabei den festlichen Kontext bewusst einbezog.
Außerordentlich lehrreich war zudem die Arbeit mit Erik Spiekermanns gesamter Schriftsammlung in der p98a sowie das Studium historischer Druckmuster deutscher Gießereien, wodurch ich mein Verständnis für Typografie und ihre praktische Anwendung vertiefen konnte.
Julia Watson, im Februar 2026
Julia Watson mit „ihrem“ Dom, geschaffen in der Winkeldruckerey unter der Assistenz von Remo Krembel und Johannes Doerr
Matthias Nowack fasste seine Eindrücke vom Druckerwochende in der Rheinpfalz am 24. Februar wie folgt zusammen:
Die im Bereich Druck arbeitete Designerin hat nun ein ganz besonderes Projekt rund um den Dom umgesetzt. Für Watson ist der Dom Kindheitserinnerung und Orientierungspunkt gleichermaßen. Ihre Großeltern leben in der Domstadt, und das war für sie immer mal wieder Anlass für Besuche in Speyer. „Der Dom überragt die Stadt wie ein Wahrzeichen – nicht nur aus der Ferne“, sagt sie heute. Selbst beim Bummel durch die Gassen sei er immer präsent gewesen, ein architektonischer Kompass für sie mit klaren geometrischen Formen.
Kein Wunder also, dass sie das monumentale Bauwerk zum Motiv ihres jüngsten Projekts machte: Am Wochenende entstand in der Speyerer Winkeldruckerey „ihr“ Dom – gesetzt mit rund 1600 „Blindelementen“ aus alten Setzkästen der Winkeldruckerey. Blindelemente sind jene schmalen Bleistäbchen, die im klassischen Bleisatz eigentlich unsichtbar blieben: Sie schaffen Abstände zwischen Buchstaben, drucken aber selbst nicht mit. Watson kehrte diese Logik um: Mit mühsamen Unterfütterungen machte sie die rechteckigen Stäbchen druckfähig – und formte daraus mit Unterstützung von Johannes Doerr und Remo Krembel Stein für Stein die Speyerer Kathedrale. Für die Rosette und die Fenster der Westfassade wählte sie passende großformatige Buchstaben aus den Setzkästen der Winkeldruckerey. Rund 30 Kilogramm Bleimaterial, schätzt der erfahrene Setzer Johannes Doerr, stecken in dem Werk. Bis tief in die Nacht wurde gesetzt, korrigiert, verdichtet, bevor das Motiv am Wochenende in mehreren Durchläufen durch die Korrex-Druckerpresse lief.
Ein präzises Puzzle
In Zeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) und vollautomatisierter Layoutprogramme wirkt der Aufbau eines solchen Druckstocks wie ein analoges Tetris-Spiel – ein präzises Puzzle aus Gewicht, Geduld und Geometrie. Doch es ist mehr als eine Spielerei. Es ist ein konzentrierter Dialog zwischen Material und Motiv, zwischen Widerstand und Gestaltung. Und der Beweis, dass selbst aus scheinbar unscheinbaren Druck-Elementen ein monumentales Bild wachsen kann.
Der Bleisatz, der fast 500 Jahre das Druckwesen prägte, ist heute nahezu verschwunden. Um das Jahr 2000 war der Übergang zu digitalen Workflows weitgehend abgeschlossen. Wie aufwendig und herausfordernd diese historische Technik immer noch ist, konnte Watson bei der Produktion ihres Blattes den Besuchern der Winkeldruckerey eindrucksvoll zeigen. Gerade deshalb sind solche Orte von besonderer Bedeutung – Werkstätten, in denen die „schwarze Kunst“ lebendig bleibt. Dazu braucht es Gestalterinnen wie Julia Watson, die das Handwerk nicht als Nostalgie begreifen, sondern als künstlerische Herausforderung. Die 2003 in Wiesbaden geborene Designerin wuchs in Market Harborough in England auf. Seit 2022 studierte sie „Design for Publishing“ an der Norwich University of the Arts. Seit Sommer 2025 absolviert sie ein Praktikum beim renommierten Typographen Erik Spiekermann in dessen Berliner Galerie p98a. Spiekermann zählt zu den weltweit renommiertesten deutschen Grafikdesignern, Typographen und Schriftgestaltern.
Tradition und Gegenwart vereint
Watson verbindet in ihren Arbeiten Publishing-Design und Druckkunst mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit. Sie entwickelt Schriften, Layouts und Formate, die Texte und Motive neu sichtbar machen, kombiniert Lettern, Blindmaterial und geometrische Formen zu typographischen Kompositionen. In Speyer hat sie sich den Dom im Bleisatz vorgenommen – andere Projekte von ihr spielen ebenso selbstverständlich mit digitalen Drucktechniken. Tradition und Gegenwart sind für sie kein Widerspruch. Und manchmal braucht es eben 30 Kilogramm Blei, um zu zeigen, wie schwer ein alter Druckstock wiegt und wie leicht die daraus hervorgehende Gestaltung wirken kann.
WINKELDRUCKEREY
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