Die Reichsstadt Speyer kann mit Recht als ein bedeutendes Zentrum der frühen Druckkunst angesehen werden

Schon in der Frühzeit des Buchdrucks spielten Speyerer eine Rolle: Hans von Spire und Petrus de Spira arbeiteten bereits vor 1470 als Drucker, letzterer sogar in Mainz, wo um 1450 Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern erfand. 

 Johannes von Speyer (Giovanni da Spira / Hans von Spier) war der erste Drucker, der sich in Venedig um 1468/1469 niederließ und dort die Druckkunst etablierte. Er starb bereits 1470 während des Drucks von Augustinus‘ „De Civitate Dei“ an der Pest. 
Nach seinem Tod übernahm sein Bruder Wendelin von Speyer (Vindelino da Spira) die Druckerei und führte das Geschäft erfolgreich weiter. Die Brüder von Speyer spielten eine entscheidende Rolle dabei, Venedig zu einem der wichtigsten und produktivsten Zentren des frühen Buchdrucks in Europa zu machen.

Drucker und Setzer in einer Buchdruckerei

Holzschnitt aus Jost Ammans „Stände und Handwerke“
mit Versen von Hans Sachs,
gedruckt in Frankfurt 1568

Nach 1470 begann auch der Buchdruck in Speyer, wobei vier verschiedene Druckereien zwischen 1471 und 1500 in der Stadt tätig waren. Dies machte Speyer zu einem bedeutenden frühen Druckort. 

Bereits im 15. Jahrhundert betrieb Peter Drach (1455–1504) hier eine erfolgreiche Werkstatt, kurz nachdem Johannes Gutenberg den Buchdruck erfunden hatte. Die Stadt entwickelte sich rasch zu einem der führenden Druckstandorte Europas – in einer Reihe mit Mainz, Straßburg und Venedig.

Druckvermerk Peter Drachs des Mittleren
in einem von ihm 1482 gedruckten
Juristi­schen Werk mit Druckersig­net

Zwei Seiten aus dem von Peter Drach 1498 in Speyer  in einem Rot-und Schwarzdruck mit großen roten gedruckten Initialen hergestellten „Missale Bursfeldense“,
dem Messbuch der Benediktinerabtei Bursfeld bei Göttingen

Die Dynastie der Familie Drach stellte bis etwa 1530 Bücher her und vertrieb sie, d.h. man unterhielt in weiten Teilen des deutschsprachigen Raums Verkaufsniederlassungen.  
Der Ruf der Druckerei Drach, die über Speyer hinaus bekannt war, litt jedoch unter  jahrelangen Erbauseinandersetzungen nach dem Tod des Gründers.

Druckvermerk von Conrad Hist in dem 1496 gedruckten „Speculum conscientiae et novissimorum“
(,,Spiegel des Gewissens und der letzten Dinge“) von Johannes de Lampsheim.

Ein weiterer, bedeutender Drucker der Frühzeit war Conrad Hist. Er kam aus Hilpoltstein in der Oberpfalz an den Rhein und hatte zuvor in Heidelberg Rechtswissenschaft studiert. Mit seinen Drucken trat er erst ab 1493 deutlicher in Erscheinung. Als gebildeter Mann war Hist bei den Gelehrten seiner Zeit recht angesehen. Er veröffentlichte Werke von bekannten Autoren wie Jakob Wimpheling, Johann von Lambsheim, Theodor Gresemund dem Jüngeren sowie dem berühmten Speyerer Theologen Gabriel Biel, der in Tübingen lehrte. Daneben konzentrierte sich Hist vor allem auf den Nachdruck beliebter Lehrbücher für den wissenschaftlichen Unterricht. Seine Drucke waren handlich, sauber gesetzt und ordentlich gedruckt – insgesamt schlicht gehalten und dadurch auch für größere Kreise erschwinglich.

NEUZEIT

Eine erneute Hochphase erlebte der Speyerer Buchdruck in der Mitte des 20. Jahrhunderts. So gab es in den 60er und 70er Jahren  etliche  Großdruckereien und viele kleinere Druckwerkstätten.

Der Journalist Oswald Collmann beschreibt in einem 1967 erschienen Aufsatz das Bild einer leistungsfähigen und vielfältigen Druckereilandschaft in Speyer. Mehrere traditionsreiche Betriebe – darunter Jaeger-Druck, die Zechnersche Buchdruckerei und die Pilger-Druckerei – hatten trotz Enteignungen und Beschlagnahmen in der NS-Zeit wieder Fuß gefasst und waren technisch modernisiert. Ergänzt wurden sie durch jüngere Unternehmen wie die Buch- und Kunstdruckerei Willy Eifert sowie die großindustriell aufgestellte Klambt-Druck GmbH. Gemeinsam prägten diese Firmen Speyer als bedeutenden Druckstandort mit einem breiten Spektrum von Buch-, Schulbuch-, Zeitungs- und Akzidenzdruck.

Das nach dem II. Weltkrieg verstärkt verwendete Offset-Druckverfahren brachte einen regelrechten Boom in die Medienlandschaft. Der Offsetdruck – ein im Vergleich zum Buchdruck weit schnelleres Flachdruckverfahren – wurde zur verbreiteten Drucktechnik im Bücher-, Zeitungs-, Werbe- und Verpackungsdruck.

Allerdings ließ große Konkurrenz in der Medienlandschaft nach der Jahrtausendwende auch traditionsreiche Unternehmen in finanzielle Turbulenzen geraten, viele mussten schließen oder mit größeren Unternehmen fusionieren. Der für den Druckstandort Speyer sehr bedeutende Klambt-Druck verlagerte seine Produktion nach Landau. Auch kleinere Druckereien hatten in dieser Situation keine Überlebenschancen mehr.

Heute existieren keine Druckereien mehr in Speyer. Ein Großteil der Druckaufträge wird von großen Betrieben außerhalb von Speyer oder über das Internet abgewickelt. 

Umso wichtiger sind heute Orte wie die WINKELDRUCKEREY, an denen die Tradition des Druckhandwerks bewahrt und zugleich in Verbindung mit künstlerischen Drucktechniken für die heutige Generation erlebbar gemacht wird.

 

Quellen für den historischen Abriss
waren die Aufsätze : „Speyer – die alte Druckerstadt“ von Dr. Anton Doll, Speyer und
„Speyerer Druckereien“ von Oswald Collmann, abgedruckt im Vierteljahresheft des Verkehrsvereins, 1/1967, dem auch die historischen Abbildungen entnommen sind.

Johannes Doerr und Remo Krembel an der KORREX Andruckpresse

Pressen wie die KORREX Andruckpresse dienten zunächst zum Überprüfen des Drucksatzes, bevor er in die teure Druckmaschine eingespannt wurde und wurde auch für kleinere Druckauflagen verwendet. Die KORREX Andruckpresse ist für das  Format DIN 3 geeignet. Mit derartigen Maschinen lassen sich auch mehrfarbige Linol- und Holzschnitte drucken, weshalb sie vor allem bei Künstlern sehr beliebt sind.

WINKELDRUCKEREY
Kleine Pfaffengasse 6
67346 Speyer

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